{"id":4085,"date":"2016-07-24T14:03:09","date_gmt":"2016-07-24T13:03:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeichenschatz.net\/?p=4085"},"modified":"2016-07-24T14:03:09","modified_gmt":"2016-07-24T13:03:09","slug":"drei-sorgen-ueber-das-vatersein-die-sich-als-falsch-herausgestellt-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zeichenschatz.net\/en\/persoenliches\/drei-sorgen-ueber-das-vatersein-die-sich-als-falsch-herausgestellt-haben\/","title":{"rendered":"Drei Sorgen \u00fcber das Vatersein, die sich als falsch herausgestellt haben"},"content":{"rendered":"<p class=\"lead-in\">In ein paar Wochen\u00a0wird Nila zwei Jahre alt und in\u00a0etwas mehr als zwei\u00a0Monaten erwarten wir unsere zweite Tochter.\u00a0Ein guter Anlass einen Blick auf drei Sorgen \u00fcber das Vatersein zu werfen, die sich als falsch herausgestellt haben. Vom Klassiker \u201eIch bin nicht dazu bereit Vater zu sein\u201c \u00fcber die Angst inkonsequent zu sein und von Anfang\u00a0alles richtig machen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<h2>1. \u201eIch bin nicht dazu bereit Vater zu sein\u201c<\/h2>\n<p>Wahrscheinlich der Klassiker unter den Eltern-Sorgen.\u00a0Wenn ein Kind auf die Welt kommt, dann ist man von einem auf den n\u00e4chsten Moment Vater \u2013 von Null auf Hundert in einem\u00a0Augenblick. <em>Was werde ich in dieser Situation machen, was in jener? Ich bin nicht bereit dazu Vater zu werden.\u00a0<\/em>Diese Gedanke haben\u00a0mich damals ziemlich gestresst. Ich dachte ich muss jetzt schon auf alle Herausforderungen\u00a0der Zukunft eine Antwort\u00a0haben.<\/p>\n<p>Als Nila dann auf der Welt war, waren all die \u00dcberlegungen und Gedanken, die ich vorher angestellt hatte weit weg, denn Zeit zum\u00a0Nachdenken blieb\u00a0mir damals nicht. Ich war\u00a0mit all den Neuerungen besch\u00e4ftigt und damit, die\u00a0Zeichen dieses kleinen Menschen zu deuten.\u00a0Ich lernet unglaublich viel und schnell und nach etwas\u00a0Zeit spielte es sich ein, denn wir lernten einander kennen und eine gewisse Routine kehrte ein.<\/p>\n<p>Wenn\u00a0ich\u00a0von diesem ersten Moment absehe,\u00a0wo viele Herausforderungen auf einmal auf mich\u00a0zukamen, ging\u00a0es dann ruhiger weiter. Langsam wuchs\u00a0Nila\u00a0zu einem\u00a0Kleinkind heran und langsam wuchs und (wachse ich immer noch) in die Rolle als Vaters hinein. Langsam ver\u00e4ndern sich die Aufgaben und\u00a0Themen, langsam\u00a0lerne ich damit umzugehen.<\/p>\n<blockquote><p>Ich wei\u00df, dass ich jetzt noch\u00a0keine Antworten auf die Fragen von morgen brauche.<\/p><\/blockquote>\n<p>Was mich vor der Geburt von Nila noch besorgt hat (n\u00e4mlich nicht auf alle Situationen eine Antwort zu wissen) beunruhigt mich jetzt nicht mehr.\u00a0Ich sehe selbstsicherer und entspannt in die kommenden Jahre als Vater, denn ich wei\u00df, dass ich jetzt noch\u00a0keine Antworten auf die Fragen von morgen brauche. Diese werde ich haben, wenn die Zeit f\u00fcr sie gekommen ist.<\/p>\n<p>Meine heutige Antwort auf meine Sorge von damals:\u00a0<strong>Mit dem Kind wachsen die Herausforderungen und meine\u00a0F\u00e4higkeiten sie zu meistern.<\/strong><\/p>\n<h2>2. \u201eIch werde es nicht schaffen konsequent zu sein.\u201c<\/h2>\n<p>Eine weitere Sache,\u00a0die mich sehr besch\u00e4ftigt ist\u00a0das Thema Konsequenz.\u00a0Ich habe gro\u00dfe Sorge zu inkonsequent sein zu k\u00f6nnen, also Dinge zu sagen, die ich dann nicht einfordere bzw. nach denen ich mich selbst nicht verhalte. Deshalb achte ich besonders\u00a0darauf und deshalb w\u00e4re\u00a0diese Sorge auch irgendwie schon unbegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Doch immer\u00a0wieder ist mir aufgefallen, dass <strong>Konsequenz nicht alles ist.<\/strong> Es ist oft wichtiger oder wertvoller, wenn ich mit in die <strong>Situation einf\u00fchle<\/strong> und entsprechend verhalte. Damit meine ich nicht, dass es keine Regeln gibt. Ich meine, dass ich abw\u00e4gen darf, ob es jetzt\u00a0wichtiger ist\u00a0diese Sache durchzuk\u00e4mpfen\u00a0oder, ob es in dem Moment gerade um etwas anderes geht.<\/p>\n<p>Einen guten Rat habe ich von meinem Freund zum Thema<strong>\u00a0Ausnahmen<\/strong> bekommen, denn nicht immer hat man die Kraft Dinge durchzuk\u00e4mpfen. Das kann man zugeben und sagen:\u00a0\u201eIch habe jetzt keine Kraft das mit dir\u00a0durch zu k\u00e4mpfen. Ich halte dein Verhalten f\u00fcr falsch, ich m\u00f6chte das nicht, aber ich bin jetzt nicht in der Lage mich dagegen zu wehren.\u201c\u00a0Das Tolle daran ist \u2013 so wird die Regel nicht aufgehoben.\u00a0Nat\u00fcrlich sollte das selten passieren und ich setzte diesen Joker nur sehr\u00a0bewusst ein. Aber gibt es einmal eine solche Situation entsteht dadurch\u00a0Spielraum, wenn ich auch einmal selbst an meine Grenze gekommen bin. Eine\u00a0Randnotiz dazu: Nat\u00fcrlich versteht Nila diese Worte in ihrem Alter noch nicht. Ich denke aber, dass sie \u00fcber meine Art sie zu sagen\u00a0meine Intention trotzdem r\u00fcberkommt und sie merkt, was es mir bedeutet.<\/p>\n<p>Meine heutige Antwort auf meine Sorge von damals:\u00a0<strong>Empathie ist wichtiger als Konsequenz.<\/strong><\/p>\n<h2>3. \u201eWenn ich es nicht von Anfang an richtig mache habe ich es f\u00fcr immer ruiniert.\u201c<\/h2>\n<p>In meinem Kopf\u00a0schwirrt immer dieser Gedanke: \u201eWenn ich es einmal in meine Verhalten als Vater etwas falsch mache, dann\u00a0habe ich es<strong> f\u00fcr immer ruiniert<\/strong> und werden nie mehr davon loskommen.\u201c Das ist ein sehr l\u00e4hmender Gedanke, der mich unglaublich unter Druck setzt. Denn\u00a0damit\u00a0nehme ich mir die M\u00f6glichkeit mit Nila gemeinsam zu lernen.<\/p>\n<p>Nila selbst tastet mit ihrem Verhalten die Reaktionen ihres Umfelds ab.\u00a0Wenn diese negativ sind wird sie ihr Verhalten anpassen. Wieso\u00a0sollte dieser Spielraum nicht auf f\u00fcr mich als Vater gelten? Ich darf (und muss)\u00a0Dinge genauso\u00a0lernen und ausprobieren d\u00fcrfen. Wie sie lernt, wie sie sich in einem sozialen Umfeld verh\u00e4lt, lerne ich das selbe als Vater. Fehler machen und daraus lernen.<\/p>\n<p>Dieser Grundsatz macht mich\u00a0viel entspannter, auch wenn ich tendenziell immer wieder in mein urspr\u00fcngliches Verhaltensmuster falle mit dem Wunsch alles auf Anhieb \u201erichtig\u201c zu machen.\u00a0Notiz an mich selbst: das ist einfach\u00a0Bl\u00f6dsinn.<\/p>\n<p>Davon abgesehen ist der Spielraum viel gr\u00f6\u00dfer, als ich dachte. Ich kann mein Verhalten \u00e4ndern und dadurch sehen, wie es\u00a0andere Reaktionen erzeugt. Und wenn ich mich vorher anders verhalten habe, dann macht das nichts. Nila macht das auch st\u00e4ndig. Sie ver\u00e4ndert ihr Verhalten, ich nehme es zu Kenntnis und passe meines an, wenn\u00a0ich etwas damit nicht in Ordnung finde.<\/p>\n<p>Meine heutige Antwort auf meine Sorge von damals: <strong>Es geht nicht darum etwas von Anfang an richtig zu machen, es geht darum gemeinsam zu lernen und sich weiter zu entwickeln.<\/strong><\/p>\n<p>\u2013 \u2013<\/p>\n<p>Das sind und waren als\u00a0meine drei gr\u00f6\u00dften Sorgen \u00fcber das Vatersein, die sich als falsch herausgestellt\u00a0haben. Aber vielleicht auch, weil ich sie mir bewusst gemacht hab. Ich w\u00e4re gespannt\u00a0<strong>welche Sorgen ihr euch gemacht habt <\/strong>(unbegr\u00fcndeten oder begr\u00fcndeten) und wie ihr heute damit umgeht. Hinterlasst sie doch in den Kommentaren!<\/p>\n<h2><\/h2>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In ein paar Wochen\u00a0wird Nila zwei Jahre alt und in\u00a0etwas mehr als zwei\u00a0Monaten erwarten wir unsere zweite Tochter.\u00a0Ein guter Anlass einen Blick auf drei Sorgen \u00fcber das Vatersein zu werfen, die sich als falsch herausgestellt haben. 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