{"id":39,"date":"2006-09-07T14:58:26","date_gmt":"2006-09-07T12:58:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeichenschatz.net\/blog\/?p=39"},"modified":"2006-09-07T14:58:26","modified_gmt":"2006-09-07T12:58:26","slug":"die-sprache-ist-tot-nur-eins-der-sieben-leben-und-feiern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zeichenschatz.net\/en\/freiraum\/die-sprache-ist-tot-nur-eins-der-sieben-leben-und-feiern\/","title":{"rendered":"Die Sprache ist tot, nur eins der sieben Leben und feiern"},"content":{"rendered":"<p>Gestern, als meine Schwester Yasmin und ich am Westbahnhof auf den Zug warteten, fiel mir vorm Libro spontan eine lustige Idee ein. Sie sollte einfach willk\u00fcrlich Abs\u00e4tze aus ein paar der billigen Schundb\u00fcchern, die dort herumlagen, vorlesen, w\u00e4hrend ich ihre Worte mit dem Handy aufnahm. Ich hab das jetzt abgeschrieben und optisch zu einer Geschichte verkn\u00fcpft. Enthalten sind Grammatik-, Rechtschreibfehler und jeden Menge Zusammenhanglosigkeit. Dennoch gibt es einige wirklich witzige Wendungen in diesem Text und es war auch sehr lustig ihn aufzunehmen. Am besten gefallen mir ja die undeutlich Stellen, bei denen ich einfach geraten haben, was das hei\u00dfen k\u00f6nnte und die jetzt im Text v\u00f6llig sinnfrei stehen. Ich freu mich schon darauf mich ein bisschen mit dem Material zu besch\u00e4ftigen und zu sehen, wo es mich hinf\u00fchrt.<\/p>\n<p align=\"center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.zeichenschatz.net\/uploads\/zufallsbuecher_liest.jpg\" id=\"image38\" alt=\"Yasmin liest\" \/><\/p>\n<blockquote><p>Es waren ihre K\u00f6rper die sich gegen alle Vernunft aufeinander zu bewegten um sich schlie\u00dflich in einem wilden aber kaischen Rausch zu verbinden. Jede Nacht entweihte sie das Ehebett. Irl genoss es mit Jonathan, dem verschlossenen Mann, von Tag zu Tag zutraulicher zu werden.<br \/>\nEs war der letzte Tag vor Leonhards R\u00fcckkehr. Sie sa\u00dfen auf der Terrasse, die Sonne flirrte durch das Bl\u00e4tterwerk des Kirschbaums, die V\u00f6gel sangen sehns\u00fcchtig s\u00fc\u00df. Da setzte Jonathan zu einer sch\u00fcchternen Liebeserkl\u00e4rung an: \u201eIch habe mich seit Jahren nicht mehr so wohl gef\u00fchlt\u201c, sagte er und dann mit einem Ruck: \u201eNach einem Monat lie\u00df ich bereits vier Kugeln m\u00fchsam los zwischen den Fingern meiner linken Hand erscheinen, nach einem weiteren Monat konnte ich deshalb mit der rechten Hand, die mir indessen gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten bereiten als die Linke. Das Schwierigste indessen stand noch bevor, das Jonglieren. Hier half kein Requist mehr, hier z\u00e4hlte nur noch das Ballgef\u00fchl.\u201c<br \/>\n\u201eUnd Nancy?\u201c<br \/>\n\u201eKommt n\u00e4chstes Mal.\u201c<br \/>\n\u201eConny ist allein gefahren?\u201c<br \/>\n\u201eAuch nicht.\u201c Glenda dr\u00fcckte n\u00e4her an die \u00d6ffnung der Glasscheibe heran, durch die wir miteinander sprechen konnten. \u201eWer?\u201c \u2013 \u201eViolett McClain.\u201c Ich erwartete, dass Glenda aus dem Raum st\u00fcrmte, aber sie blieb sitzen. Ausgerechnet Violett, die, die erste, die ich im Knast sitzt.<br \/>\n\u201eIch habe sie nicht eingeladen.\u201c<br \/>\n\u201eHast du dich geweigert mit ihr zu sprechen?\u201c<br \/>\n\u201eVerbote locken nur die Kinder, die V\u00f6lker, denen man etwas verbietet, trotzdem zu tun, aber zumindest daran zu deuten.\u201c<br \/>\nWeise Gesetzgeber gr\u00fcnden deshalb nicht etwa ein Verfassungsgericht, wenn sie ihrem Volk Gesetz und Verfassung gegeben hatten, sondern der Weg der sich launig an der Meeresk\u00fcste schl\u00e4ngelt, f\u00fchrt von  Melbeck nach Glisstow, durchquerte einen Kieferwald und machte einige Umwege, bevor er die Anh\u00f6he \u00fcberwindete, die den kleinen Fischhafen beherrscht.<br \/>\nEs war dunkel. Er scheint eine derartige Sauklaue gehabt zu haben, dass es fast unm\u00f6glich war seine Urteile zu entziffern. In der Tat wurde Roy Willson Richter in Simbaway allein aufgrund seiner unleserlichen Handschrift seines Amtes enthoben.<br \/>\n\u201eKlar\u201c, sagte der w\u00fctende Beamte ade  gegen\u00fcber der Nachrichtenagentur. \u201eTiana, es stimmt schon, dass ich nicht besonders leserlich schreibe, dass ich aber deswegen den Talar ausziehen soll?\u201c \u2013 \u201eDie Sprache ist tot, nur eins der sieben Leben und feiern.\u201c Frau Schr\u00f6der setzte sich an einen Tisch und sagte sie finde dieses Gedicht wohl nicht gut. Ich best\u00e4tigte ihr das, aber h\u00f6flich. \u201eKommen Sie doch morgen um Vier noch mal, da haben wir noch geschlossen. Wir k\u00f6nnen Ihnen manches erz\u00e4hlen.\u201c<br \/>\n\u201eDie Schnitzel am Besten gleich vom Metzger flach klopfen lassen. Pilze sorgf\u00e4ltig putzen und falls n\u00f6tig waschen. Zu spitze m\u00fcssen meistens nicht gewaschen werden. Durch waschen geht leider viel vom zarten Aroma verloren. Die Pilze grob hacken.\u201c<\/p>\n<p>Was ich zu erz\u00e4hlen hatte kam nicht durch. Und doch, diese dicken, deutschen Honoraritoren, wie der evangelische, der fromme Gymnasiallehrer, der mit dem Kirchenrat des Dorfes vorstand und so oft zum Tee kam, die konnten nur allerlei miterlebt und mitgemacht haben. Er war spitzb\u00e4uchig und mit dicker Hornbrille versehen. Es ging.<\/p><\/blockquote>\n<p>F\u00fcr alle, die das auch gesprochen in miserabler Tonqualit\u00e4t h\u00f6ren wollen, hier ist die <a href=\"https:\/\/zeichenschatz.net\/en\/downloads\/zufallsbuecher.wav\/\">Audiodatei<\/a> (wav, 3,21 MB, 3:30 Minuten).<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern, als meine Schwester Yasmin und ich am Westbahnhof auf den Zug warteten, fiel mir vorm Libro spontan eine lustige Idee ein. Sie sollte einfach willk\u00fcrlich Abs\u00e4tze aus ein paar der billigen Schundb\u00fcchern, die dort herumlagen, vorlesen, w\u00e4hrend ich ihre Worte mit dem Handy aufnahm. 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