{"id":3877,"date":"2014-10-01T13:41:09","date_gmt":"2014-10-01T12:41:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeichenschatz.net\/?p=3877"},"modified":"2014-10-01T13:41:09","modified_gmt":"2014-10-01T12:41:09","slug":"die-ersten-wochen-als-vater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zeichenschatz.net\/en\/persoenliches\/die-ersten-wochen-als-vater\/","title":{"rendered":"Die ersten Wochen als Vater"},"content":{"rendered":"<p class=\"lead-in\">Vor etwas mehr als sieben Wochen kam meine Tochter Nila zur Welt, unser erstes Kind. Es war ein schlicht unbeschreiblicher Moment. Was ich vorher in Filmen f\u00fcr kitschig und banal hielt wurde auf einmal real, war f\u00fchlbar und unglaublich sch\u00f6n. Nach der ersten Eingew\u00f6hnung hier ein paar meiner Gedanken \u00fcber verfr\u00fchte Sorgen, anf\u00e4ngliche \u00dcberforderung und zuerst etwas z\u00f6gerliche Vatergef\u00fchle.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Auf Los geht\u2019s los<\/h2>\n<p>F\u00fcr das Elternsein gibt es kein Training \u2013 es startet sofort und ohne Pause. Das geistige Vorbereiten in den letzten neun Monaten war im Nachhinein betrachtet wenig hilfreich. Und trotz solider Babysitter-Erfahrung bei meiner kleinen Schwester, meiner Nichte und meinen drei Neffen (alle zwischen f\u00fcnf und einem Jahr alt) f\u00fchlte ich mich nicht wirklich bereit jetzt Vater zu sein.<\/p>\n<p>Es war vom Gef\u00fchl her eher so, als h\u00e4tte man uns einfach ein Kind in die Hand gedr\u00fcckt und gesagt: \u201eSo, jetzt macht mal\u201c \u2013 ahnungslos, ersch\u00f6pft und mit jeder Kleinigkeit \u00fcberfordert. Eine gewisse Nervosit\u00e4t ist immer da und auch der Wunsch es gleich perfekt zu machen. Doch das geht nicht. Oder anders gesagt \u2013 etwas falsch zu machen und daraus zu lernen bedeutet eigentlich es richtig zu machen. Wir haben bald aufgeh\u00f6rt Dinge zu googlen oder in den geschenkten Baby-Ratgeberb\u00fcchern zu lesen. Vieles darin hat uns nur verunsichert. Was wir seither machen ist ausprobieren und einfach das Beste tun, was uns in dem Moment dazu eingef\u00e4llt. Die Erfahrung macht bald vieles leichter, doch im Endeffekt lernen wir jeden Tag aufs Neue auf unserem Instinkt zu vertrauen.<\/p>\n<blockquote><p>Etwas falsch zu machen und daraus zu lernen bedeutet eigentlich es richtig zu machen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ach ja, dass Babys in den ersten Wochen nur essen und schlafen ist ein \u00fcbles Ger\u00fccht (zumindest bei uns). Nila wollte schon von Anfang an K\u00f6rperkontakt. Sie wollte herumgetragen werden und sp\u00fcren, dass jemand da ist.<\/p>\n<h2>Verfr\u00fchte Sorgen<\/h2>\n<p>All die Gedanken und den Stress, den ich mir in den Monaten vor der Geburt \u00fcber das Setzen von Grenzen, elterliche Konsequenz oder Vorbildwirkung machte waren komplett <del>unn\u00f6tig<\/del> verfr\u00fcht. Noch lange geht es nicht um Erziehung, sondern schlicht um das Decken von Grundbed\u00fcrfnissen. Wickeln, umziehen, Nila hochnehmen und beruhigen kann ich mittlerweile ziemlich gut. Auch die Nerven behalten, wenn es einmal etwas l\u00e4nger dauert bis sie aufh\u00f6rt zu schreien. Mir wurde aber auch bald deutlich wo meine Grenzen als Vater liegen.<\/p>\n<p>In der Fr\u00fch gehe ich oft mit Nila nach drau\u00dfen, sobald sie wach ist. So kann ihre Mama noch etwas schlafen nach der, durch das Stillen im drei Stunden Takt, unterbrochenen Nacht. Wenn sie aber wieder Hunger bekommt hilft nichts. Ich kann versuchen sie mit dem Schnuller abzulenken, singen, durch die Wohnung marschieren oder sie ins Tragetuch nehmen \u2013 alles egal. Wenn es wirklich darauf ankommt muss die Mama her. Aber auch das wird sich irgendwann \u00e4ndern und ab und zu f\u00fcttere ich sie auch mal mit dem Flascherl.<\/p>\n<h2>Codeknacker oder Schreien ist nicht gleich schreien<\/h2>\n<p>Zu Beginn war jedes Quietschen ein Grund zur Sorge. St\u00e4ndiges Aufstehen und Nachsehen, ob eh alles in Ordnung sei war an der Tagesordnung. Wenn sie dann auf einmal zu schreien begann machte sich vor allem Ratlosigkeit breit. Was ist es nur, dass sie zum Weinen bringt? Ist es Hunger, eine nasse Windel, Bauchweh, M\u00fcdigkeit, Langeweile oder einfach nur das Bed\u00fcrfnis nach N\u00e4he? Und auch wenn wir den Grund manchmal nicht ausmachen k\u00f6nnen, hilft es zumindest sich einen einzureden.<\/p>\n<p>Es ist herzzerrei\u00dfend wenn sie weint, sie tut mir so leid. Doch dann ist es auch wieder nur schreien, wie soll sie sich denn sonst ausdr\u00fccken? Und wenn alle m\u00f6glichen Ursachen ausgeschlossen sind und sie immer noch nicht aufh\u00f6rt, dann m\u00fcssen wir einfach mit ihr da durch. Dieser Satz eines Kinderarztes aus dem Geburtsvorbereitungskurs beruhigt mich seither: \u201eEin lautes Kind stirbt nicht.\u201c Und Nila kann wirklich laut sein, wenn sie will. Unsere Aufgabe ist es dann sie wieder gl\u00fccklich zu machen, so einfach ist es. Noch geht es nicht um Manipulation ihrerseits. Sie lebt komplett im Moment, in ihrer Welt. Wenn sie Hunger hat, dann hat sie jetzt Hunger. Es ist ihr egal ob daheim, beim Spazierengehen oder in der Bahn. Sie br\u00fcllt so laut sie kann, als w\u00fcrde sie nie wieder zu essen bekommen. Auch dann m\u00fcssen wir da durch, gemeinsam. Und egal wie anstrengend es in der Situation manchmal auch sein mag, sobald es vorbei ist l\u00e4sst mich irgendetwas komplett vergessen wie es war, als sie geschrien hat. Wahrscheinlich irgend so ein Psychotrick der Natur.<\/p>\n<blockquote><p>Kein anderer Satz kann\u00a0unerfahrene Eltern so sehr beruhigen wie dieser: \u201eLautes Kind stirbt nicht.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich habe nicht das Gef\u00fchl, dass sie besonders oft schreit oder, dass es sehr belastend sei. Es ist einfach so wie es ist. Mit der Zeit und der Erfahrung steigt auch die Selbstsicherheit. Mittlerweile erkennen wir schon die feinen Unterschiede zwischen Hunger-, Bauchweh- oder Langeweileschreien. So wie sie diese Welt ganz langsam zu erkennen lernt, lernen wir sie zu verstehen.<\/p>\n<h2>Vatergef\u00fchle?<\/h2>\n<p>Was die Vatergef\u00fchle betrifft hat es bei mir etwas gedauert. Das darf man jetzt nicht falsch verstehen, ich habe sie vom ersten Moment an in mein Herz geschlossen. Aber ich wusste nicht wirklich, wie es sich anf\u00fchlen soll ein Vater zu sein. Irgendwie dachte ich, ich ver\u00e4ndere mich so richtig, von heute auf morgen \u2013 mit dem Moment der Geburt. Vielleicht ist das auch im Innersten passiert, aber so direkt bemerkte ich das nicht. Stattdessen f\u00fchlte ich mich eher wie ich selbst, eigentlich wie vorher, nur mit einem Kind. Vielleicht ist das bei M\u00fcttern anders, die haben wahrscheinlich auch durch das Stillen eine andere Hormondr\u00f6hnung.<\/p>\n<p>Mittlerweile hat sich das ge\u00e4ndert und ich f\u00fchle mich Nila immer n\u00e4her. Ich brauchte einfach ein bisschen Zeit, um sie kennen zu lernen. Dass sie jetzt schon auf mein Gerede mit L\u00e4cheln reagiert verst\u00e4rkt meine Bindung zu ihr nur. Ich genie\u00dfe es mit ihr alleine Zeit zu verbringen, wenn ihre Mama Sport macht oder in die Orchesterproben geht. Ich liebe es mit ihr im Tagetuch spazieren zu gehen \u2013 voll Stolz und ganz nahe halte ich sie an meinem Herzen \u2013 meine Tochter.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3881 size-large\" src=\"https:\/\/zeichenschatz.net\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/vater-tochter-2-1-720x480.jpg\" alt=\"Nila und ich\" width=\"720\" height=\"480\" \/><\/p>\n<p>Doch so wirklich als <em>Vater<\/em> f\u00fchle ich mich immer noch nicht ganz. Das wird wohl auch noch etwas dauern. Es ist vielleicht \u00e4hnlich wie nach dem Heiraten, auch da hat es Zeit gebaucht das zu realisieren. So wie Nila langsam ins Leben w\u00e4chst, wachse ich in meiner neuen Rolle als Vater und bin mir sicher, dass mit den steigenden Herausforderungen auch meine F\u00e4higkeiten wachsen werden diese zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Ein Freund hat mir mal gesagt: \u201eWenn du ein Kind bekommst ist dein Leben nicht mehr wie vorher. Aber nach zwei Tagen kannst du dir\u00a0auch nicht mehr vorstellen, wie es vorher war.\u201c Wie Recht er damit hatte.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor etwas mehr als sieben Wochen kam meine Tochter Nila zur Welt, unser erstes Kind. Es war ein schlicht unbeschreiblicher Moment. Was ich vorher in Filmen f\u00fcr kitschig und banal hielt wurde auf einmal real, war f\u00fchlbar und unglaublich sch\u00f6n. 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