{"id":3856,"date":"2014-08-03T18:55:24","date_gmt":"2014-08-03T17:55:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeichenschatz.net\/?p=3856"},"modified":"2014-08-03T18:55:24","modified_gmt":"2014-08-03T17:55:24","slug":"ein-jahr-unterrichten-an-der-graphischen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zeichenschatz.net\/en\/persoenliches\/ein-jahr-unterrichten-an-der-graphischen\/","title":{"rendered":"Ein Jahr unterrichten an der Graphischen"},"content":{"rendered":"<p class=\"lead-in\">Vor etwas mehr als einem Monat ging\u00a0mein Unterrichtsjahr an der H\u00f6heren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt (oder einfach nur <a title=\"die Graphische\" href=\"http:\/\/graphische.net\">der Graphischen<\/a>) in Wien zu Ende. F\u00fcr neun Wochenstunden,\u00a0kompakt an\u00a0einem Dienstag\u00a0geb\u00fcndelt,\u00a0unterrichtete ich\u00a0drei Klassen mit Menschen im Alter\u00a0von siebzehn bis vierzig Jahren.\u00a0Es war ein sch\u00f6ne und lehrreiche Zeit. Hier m\u00f6chte ich\u00a0rekapitulieren, was ich davon mitgenommen habe.<\/p>\n<p class=\"leadin\">\n<h3>Lernen durch Lehren<\/h3>\n<p>Als ich im Mai letzten Jahres aus dem Nichts einen Anruf erhielt, ob ich nicht an der Graphischen Webdesign unterrichten m\u00f6chte, wusste ich noch nicht, was auf mich zukommen w\u00fcrde. Neugierig sagte ich zu und nach intensiven Vorbereitungen\u00a0erhielt ich im\u00a0September 2013\u00a0aus der Abteilung Grafikdesign die\u00a0vierten\u00a0Klassen der Oberstrufe, den\u00a0zweiten\u00a0Jahrgang im Kolleg und den\u00a0dritten Jahrgang im Abendkolleg.<\/p>\n<p>Ich wurde damit beauftragt die technischen Grundlagen f\u00fcr\u00a0das einfache Gestalten einer Website zu vermitteln. Also im Prinzip HTML und CSS. Doch Technik war\u00a0schon lange nicht mein Kerngebiet. Seit mehr als\u00a0sieben\u00a0Jahren hatte ich mich nicht mehr damit besch\u00e4ftigt und meinen Fokus auf Konzeption und\u00a0Entwurf gelegt. Und dennoch traf sich diese Aufgabenstellung gut, denn im Fr\u00fchjahr 2013 hatte ich mir auch\u00a0vorgenommen mich wieder mehr damit\u00a0zu besch\u00e4ftigen, um noch besser gestalten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eMan lernt erst wirklich wenn man lehrt.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>So lernte ich HTML und CSS im letzten Sommer wieder von vorne. Und was ich nicht alles dabei lernen durfte (davon abgesehen, wie viel sich in den letzten Jahren getan hatte). Besonders sch\u00f6n\u00a0war, dass es richtig\u00a0Sinn hatte mich gr\u00fcndlich\u00a0damit auseinander zu setzen. Ich musste es schlie\u00dflich wirklich verstehen, wenn ich es anderen erkl\u00e4ren sollte. Der Spruch \u201eMan lernt erst wirklich wenn man jemandem etwas lehrt\u201c traf voll und ganz auf die Situation zu.<\/p>\n<p>Auch wenn es um Technik ging, es wurde von einem Gestalter vermittelt und es war nicht mein Ziel aus meinen\u00a0Studierenden Techniker zu machen. Sie sollten einfach soviel von der Technik verstehen, wie es notwendig ist, um einen guten Entwurf zu machen. Dadurch arbeitet man auch automatisch besser mit Programmierern und Programmiererinnen zusammen, weil man die selbe Sprache spricht und\u00a0Verst\u00e4ndnis f\u00fcr M\u00f6glichkeiten und Grenzen entwickelt.<\/p>\n<p>Es war interessant\u00a0zu sehen, wie sich die selben Anf\u00e4ngerfehler und Missverst\u00e4ndnisse wiederholten. So konnte ich\u00a0meine Vortr\u00e4ge und Beispiele nach und nach\u00a0optimieren. Ich erkannt auch, dass das\u00a0pers\u00f6nliche Feedback auf die individuelle Situation immer noch am weitesten brachte, gerade am Anfang.<\/p>\n<h3>Anleiten\u00a0zur Selbst\u00e4ndigkeit<\/h3>\n<p>Zuerst dachte ich,\u00a0es w\u00fcrde am schwierigsten werden die Dinge gut zu\u00a0erkl\u00e4ren. Doch bald erkannte ich, dass die eigentliche Herausforderung\u00a0an einer ganz anderen Stelle lag: in den Aufgabenstellungen und \u00dcbungen. Wie kann ich \u00dcbungen und Aufgaben so gestalten, dass man sich selbst mit einem Thema auseinandersetzen muss und dabei seine pers\u00f6nlichen Erfolge\u00a0hat? Dass man auf dem Weg an Grenzen st\u00f6\u00dft und diese zu erweitern\u00a0lernt?<\/p>\n<blockquote><p>Wer richtig googlen kann kommt richtig weit<\/p><\/blockquote>\n<p>Am Anfang waren meine \u00dcbungen noch sehr einfach, im Prinzip nur ein Wiederholen\u00a0des zuvor von mir Gezeigtem und Erkl\u00e4rtem. Nach einem Ratschlag von einem Kollegen baute ich bald immer mehr Stellen ein, die eigenes Recherchieren im Web erforderten. Schlussendlich ist\u00a0das die wichtigste aller Eigenschaften \u2013 sich selbst Wissen und Informationen aus dem Web aneignen. Ich habe zur Vorbereitung dieses Unterrichtsjahres nichts anderes gemacht. Nach zahlreichen\u00a0Tutorials, Artikeln\u00a0und ein paar eBooks\u00a0wurde mein Verst\u00e4ndnis immer tiefer. Und nat\u00fcrlich habe ich auch meine <a title=\"Die Antwort hatte auch Antworten f\u00fcr mich\" href=\"http:\/\/dieantwort.eu\">Developer<\/a> mit der einen oder anderen Frage konsultiert.<\/p>\n<p>Ich wurde nicht m\u00fcde auf Google zu verweisen und davon zu schw\u00e4rmen, wie gro\u00dfartig es ist, dass all dieses Wissen einfach so im Internet\u00a0herumliegt und man es sich nur zu nehmen braucht. Wenn ich das kann, k\u00f6nnt ihr das auch und in welcher Branche ist das denn sonst noch so? Ich machte\u00a0kein Geheimnis daraus, wenn ich selbst etwas nicht wusste oder einen Befehl vergas. Es ist keine Schande Dinge zu vergessen, es ist nur eine Schande nicht nach Antworten\u00a0zu suchen.<\/p>\n<h3>Was ich mitnehmen konnte<\/h3>\n<p>Es war ein gutes und lehrreiches Jahr, das unglaublich schnell\u00a0verging. Etwa die H\u00e4lfte des Reizes an dieser Aufgabe war die Herausforderung mir selbst das Wissen aneignen\u00a0zu m\u00fcssen. Nach einem Jahr habe ich\u00a0das Gef\u00fchl, mich jetzt so gut auszukennen wie noch nie. Und es\u00a0f\u00e4llt mir leicht Prototypen f\u00fcr meine eignen Entw\u00fcrfe\u00a0zu bauen und dadurch noch effizienter mit meinen Developern\u00a0zusammen zu arbeiten.<\/p>\n<p>Es hat aber vor allem Spa\u00df gemacht\u00a0die Begeisterung f\u00fcr die Flexiblit\u00e4t des Webs weiterzugeben und zu sehen, was sie mit einigen anstellt. Die Studierenden, Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler waren gro\u00dfteils sehr engagiert, neugierig und fordernd. Die Kolleginnen und Kollegen an der Graphischen\u00a0waren freundlich und unterst\u00fctzend. Ich durfte viele\u00a0interessante\u00a0Menschen kennenlernen.<\/p>\n<p>So tut es mir nun auch leid nach einem Jahr wieder aufzuh\u00f6ren, jetzt wo die Grundlagenarbeit geschaffen ist. Doch in den n\u00e4chsten Tagen erwarten wir\u00a0unser erstes Kind, und damit \u00e4ndern sich auch meine\u00a0Priorit\u00e4ten.\u00a0Mir ist die Flexibilit\u00e4t der\u00a0freien Zeiteinteilung wichtiger, als die Sicherheit einer\u00a0Anstellung verbunden mit verpflichtenden Arbeitszeiten (auch ein Grund, weshalb ich selbst\u00e4ndig bin).\u00a0Mir wird die Graphische fehlen und vielleicht\u00a0werde ich mich eines Tages dort wieder finden. Doch jetzt stelle\u00a0ich mich auf\u00a0die noch gr\u00f6\u00dfere Lehraufgabe im Leben ein: auf das Vatersein.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor etwas mehr als einem Monat ging\u00a0mein Unterrichtsjahr an der H\u00f6heren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt (oder einfach nur der Graphischen) in Wien zu Ende. 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