{"id":3842,"date":"2014-06-04T08:28:47","date_gmt":"2014-06-04T07:28:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeichenschatz.net\/?p=3842"},"modified":"2014-06-04T08:28:47","modified_gmt":"2014-06-04T07:28:47","slug":"decentralize-camp-duesseldorf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zeichenschatz.net\/en\/design\/decentralize-camp-duesseldorf\/","title":{"rendered":"Decentralize Camp D\u00fcsseldorf"},"content":{"rendered":"<p class=\"leadin\">F\u00fcr mich hatte der Begriff \u201eDecentralize\u201c bisher keine sonderliche Relevanz, eigentlich war mir unbekannt was sich dahinter verbirgt. Bis vor zwei Wochen, als am 21. Mai 2014\u00a0beim\u00a0<a title=\"Decentralize Camp 2014 D\u00fcsseldorf\" href=\"http:\/\/decentralizecamp.com\/\">Decentralize Camp<\/a> in D\u00fcsseldorf diesem Thema eine ganze Veranstaltung mit Vortr\u00e4gen und Sessions gewidmet wurde. Fast alles daran war f\u00fcr mich als Designer neu aber dennoch nicht fremd oder schwer nachzuvollziehen. Hier ein paar unzusammenh\u00e4ngende Erkenntnisse, die ich mitgenommen habe.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Wo die Idee Decentralize herkam<\/h3>\n<p>Das Internet war urspr\u00fcnglich als etwas ohne Zentrum gedacht. Doch in den letzten Jahren hat es sich immer mehr zentralisiert. Nicht nur rein technisch, sondern auch was die Dienste betrifft, wo sich gro\u00dfteils Monopole gebildet haben. Es gibt <em>eine<\/em> Suchmaschine, <em>ein<\/em> soziales Netzwerk, <em>eine<\/em> Fotoseite, <em>einen<\/em> Voice over IP Service, etc. Wie absurd dieser Gedanke ist, zeigt ein Beispiel von Maciej Ceglowskis:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eNur ein soziales Netzwerk zu nutzen ist so, als w\u00fcrde sich die ganze Welt in nur einer einzigen Bar treffen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Im er\u00f6ffnenden Vortrag von <a title=\"Jeremy Keith\" href=\"http:\/\/adactio.com\/\">Jeremy Keith<\/a> wurde hervorgehoben, dass es im Web 1.0 schon f\u00fcr alle m\u00f6glich war Inhalte relativ einfach zu publizieren. Mit ein paar HTML-Kenntnissen konnte jeder seine eigene kleine Website basteln und online stellen. Wer sich nicht um seinen eigenen Webspace k\u00fcmmern konnte\/wollte nutze kostenlose Dienste, wie damals GeoCities. Meine erste Website aus dem Jahr 2000 wurde auf tripod, einem \u00e4hnlichen Service, gehostet. Und damit begann die Zentralisierung von Daten in den gro\u00dfen \u201eSilos\u201c.<\/p>\n<p>Wir wurden langsam und schmerzhaft mit der Frage konfrontiert was passiert, wenn diese Dienste verschwinden. GeoCities wurde von Yahoo gekauft und alle dort gehosteten Websites \u00a0wurden vor ein paar Jahren gel\u00f6scht \u2013 einfach weg. Auch wenn einige gerettet werden konnten (jedoch unter anderen URLs als fr\u00fcher), wurde vielen pl\u00f6tzlich deutlich, was es bedeute seine Inhalte jemand anderem anzuvertrauen. Es gibt kaum Strategien, was mit den Daten passiert, wenn es diesen Service nicht mehr gibt oder sie \u00fcbernommen werden. Allein das ist ein guter Grund seine eigenen Inhalte auf seiner eigenen Domain zu hosten \u2013 dezentralisiert. Denn, dass das Internet nicht vergisst ist ein falsches Versprechen, was wir alle sicher sicherlich schon erlebt haben.<\/p>\n<h3>Das Web 2.0 \u2013 Die Bequemlichkeit siegt<\/h3>\n<p>Im Vortrag von <a title=\"Alex Feyerke\" href=\"http:\/\/alexfeyerke.com\/\">Alex Feyerke<\/a> wurden die positiven Seiten der gro\u00dfen \u201eSilos\u201c erw\u00e4hnt. Das Web 1.0 war nicht f\u00fcr jedermann, denn f\u00fcr viele waren die technischen Einstiegsh\u00fcrden wie HTML oder FTP schon zu hoch. Typische Web-2.0-Services sind aus dem Bed\u00fcrfnis heraus entstanden es einfacher zu machen Dinge im Web zu ver\u00f6ffentlichen. Bequemlichkeit \u00fcberwiegt den Besitzanspruch und die Hoheit \u00fcber die eigenen Daten und Inhalte.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren haben wir erlebt wie Flickr, YouTube und Tumblr die eigene Fotogalerie, Videopage oder das selbstgehostete Blog alt aussehen haben lassen. Doch was passiert, wenn ich meinen Account l\u00f6schen m\u00f6chte? Werden meine Daten dann auch gel\u00f6scht? Was passierte mit meinen Inhalten, wenn diese Dienste aufgekauft werden oder generell offline gehen? Werde ich sie vorher herunterladen oder l\u00f6schen k\u00f6nnen? Vielleicht bin ich extra zu kleinen Anbieter gegangen, damit ich eben nicht Google meine Daten hat und pl\u00f6tzlich geh\u00f6rt der Dienst Google.<\/p>\n<h3>Start-up-Mentalit\u00e4t und digitaler Mittelstand<\/h3>\n<p>Ein Grund, der dahinter steckt, dass es eigentlich keine Ausstiegsstrategien gibt, ist die g\u00e4ngige Start-up-Mentalit\u00e4t. Jedes Startup m\u00f6chte im Moment die Nummer 1 werden, das n\u00e4chste Facebook oder Google \u2013 Weltherrschaft. Alex Feyerke hat aufgezeigt wie gef\u00e4hrlich und zerst\u00f6rerisch diese Haltung sein kann. Im Prinzip ergeben sich drei M\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein Start-up:<\/p>\n<ol>\n<li>Es scheitert.<\/li>\n<li>Es wird von einem der gro\u00dfen Services aufgekauft.<\/li>\n<li>Es wird selbst so gro\u00df, dass es jemand anderen verdr\u00e4ngt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Was komplett fehlt ist der Gedanke eines dezentralisieren, <strong>digitalen Mittelstandes,<\/strong> mit dem wir auch wieder mehr Diversit\u00e4t leben. Unternehmen, die gut von ihren Einnahmen leben k\u00f6nnen, die einen Zweck erf\u00fcllen und in ihren Dimensionen weiterbestehen k\u00f6nnen ohne zur Weltmacht zu werden. Alex Feyerke pl\u00e4diert daf\u00fcr Tools zu schaffen, die es erm\u00f6glichen klein zu bleiben und nicht immer die Gro\u00dfen zu ersetzen.<\/p>\n<h3>Wir brauchen gute Abschl\u00fcsse<\/h3>\n<p>An diesen Punkt schloss auch Maciej Ceglowski im abschlie\u00dfenden Vortrag an. Er fragte sich, warum es so wenige Kleine gibt. Alle wollen McDonald\u2019s sein, jeder will alles abdecken. Und ab dem Zeitpunkt wo sie wachsen und gr\u00f6\u00dfer werden und eventuell verschwinden, lassen sie wieder Platz in der Nische, die sie vorher bedient hatten. Die kleine verschwinden aber auch zusehend. Oft wegen eines schlechten oder keines Business models, Burn out oder schlicht wegen der B\u00fcrokratie mit der man sich auch als Kleiner abk\u00e4mpfen muss.<\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5em;\">Was Macij Ceglowski, der selbst den Bookmarking-Service <\/span><a style=\"line-height: 1.5em;\" href=\"http:\/\/pinboard.in\">Pinboard<\/a><span style=\"line-height: 1.5em;\"> betreibt, noch fehlt ist neben Open Source die M\u00f6glichkeit von <strong>Open Service.<\/strong> Wie man ein Unternehmen, das sich aufl\u00f6st zu einem Open Source Projekt macht hat man vielfach bereits gesehen. Doch was, wenn er selbst seinen Dienst nicht mehr weiterf\u00fchren m\u00f6chte? Wie k\u00f6nnte einen \u00dcbergang zu einem allgemein verwalteten Dienst funktionieren? Hier f\u00fchr fehlen noch die Beispiel.<\/span><\/p>\n<p>Abgesehen von der Diversit\u00e4t macht es abschlie\u00dfend rein (geo)logisch Sinn das Internet wieder mehr zu dezentralisieren. Im Moment b\u00fcndelt sich alles in Kalifornien, das im einem Erdbebengebiet sehr ung\u00fcnstig liegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dezentralisierung ist ein Thema, das weitreichender und \u00fcbergreifender ist, als ich dachte. Das Publikum hatte vorwiegend einen technischen Hintergrund. Ich habe viele positive Reaktionen erlebt, dass ich als Designer an einer solchen Veranstaltung teilnehme. F\u00fcr mich war es aber genau deshalb wichtig dabei zu sein, da ich wissen m\u00f6chte, was die Leute mit denen ich in Webprojekten zusammenarbeite, besch\u00e4ftigt. Ich bin gespannt wie die Entwicklungen weitergehen werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr mich hatte der Begriff \u201eDecentralize\u201c bisher keine sonderliche Relevanz, eigentlich war mir unbekannt was sich dahinter verbirgt. Bis vor zwei Wochen, als am 21. Mai 2014\u00a0beim\u00a0Decentralize Camp in D\u00fcsseldorf diesem Thema eine ganze Veranstaltung mit Vortr\u00e4gen und Sessions gewidmet wurde. 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