{"id":3110,"date":"2013-02-11T03:15:41","date_gmt":"2013-02-11T02:15:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeichenschatz.net\/?p=3110"},"modified":"2013-02-11T03:15:41","modified_gmt":"2013-02-11T02:15:41","slug":"uber-mut-stolz-und-indische-rickshaws","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zeichenschatz.net\/en\/reisebericht\/uber-mut-stolz-und-indische-rickshaws\/","title":{"rendered":"\u00dcber Mut, Stolz und indische Rickshaws"},"content":{"rendered":"<p class=\"leadin\">Die Zeit in Indien geht nach \u00fcber einem Monat nun zu Ende und ich durfte hier einiges erfahren und lernen. Unter anderem wie man mit den H\u00e4nden isst oder sich in Mindestzeit kalt duscht. Aber auch mehr mit der Zeit zu gehen und <a href=\"https:\/\/zeichenschatz.net\/en\/blog\/reisebericht\/wie-indien-die-schonheit-des-wartens-lehrt.html\/\">Warten auszuhalten<\/a>.<\/p>\n<p>Vor allem fand ich es gut mal wieder raus aus der Komfortzone zu kommen, mich Neues zu trauen und Vertrautes neu sch\u00e4tzen zu lernen. Und das zeigte sich schon an scheinbar banalen Dingen wie dem \u00dcberqueren einer Stra\u00dfe oder dem Verhandeln mit der Motorrickshwa.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/zeichenschatz.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20130209-111613-1.jpg\" alt=\"20130209-111613.jpg\" class=\"alignnone size-full\" \/><\/p>\n<h2>Augen auf und durch! Wie man eine indische Stra\u00dfe \u00fcberquert<\/h2>\n<p>Der Verkehr in den gro\u00dfen indischen St\u00e4dten wirkte f\u00fcr mich anfangs mit seinem Gedr\u00e4nge und L\u00e4rm wie ein einziges, riesiges Chaos, das ich nur staunend betrachten konnte. Passanten gehen entlang der Stra\u00dfenr\u00e4nder, denn Gehsteige sind (wenn es sie gibt) immer vollgerammelt und man kommt dort nie voran. Zebrastreifen oder Fu\u00dfg\u00e4ngerampeln sind rar und werden kaum beachtet. Wir haben das System anfangs nicht ann\u00e4hernd verstanden und in Todesangst durchs Hupkonzert ewig \u00fcber eine Stra\u00dfe gebraucht.<\/p>\n<p>Dabei ist es eigentlich ganz leicht. Man muss sich n\u00e4mlich einfach nur trauen und braucht keine Angst haben, auch mitten auf der sechsspurigen Stra\u00dfe im Verkehr zu stehen. Denn indische Autofahrer hupen (meistens) nicht zur R\u00fcge, es ist eher eine freundliche Information: Achtung, hier bin ich. Eher wie das Klingeln bei einem Fahrrad. An vielen LKWs steht hinten auch freundlich \u201eSound Horn\u201c oder \u201eHorn OK\u201c was soviel hei\u00dft wie: bitte hupen, wenn du mich \u00fcberholst, damit ich das auch mitbekomme.<\/p>\n<p>In diesem scheinbaren Durcheinander mit Rickshaws, Bussen, unglaublich beladenen LKWs, Motorr\u00e4dern, Transportkarren und Fu\u00dfg\u00e4ngern f\u00fcgt sich schlie\u00dflich alles irgendwie zusammen. Wie in einer gro\u00dfen Maschine, Zahnrad an Zahnrad. Und es ist toll, wenn man seinen Platz darin gefunden hat. Trotz Gedr\u00e4nge ist man darauf vorbereitet abrupt stehen zu blieben und r\u00fccksichtsvoller als man es erwarten w\u00fcrde. Ich bin mir sicher in \u00d6sterreich in \u00e4hnlichen Situation, trotz Mut, schon zehn mal \u00fcberfahren worden zu sein.<\/p>\n<h2>\u201c200 Rupees?! No way!\u201d Verhandeln und richtig ver\u00e4rgert sein d\u00fcrfen<\/h2>\n<p>Ich hasse es zu verhandeln. Ich mag die Situation nicht. Ich m\u00f6chte nicht m\u00fchsam sein und Probleme machen, das ist mir unangenehm. Doch Indien hat mich herausgefordert, insbesondere das Rickshawfahren.<\/p>\n<p>\u201cNever trust the Rickshaw\u201d h\u00f6rten wir oft, denn 99 % der Motorrickshawfahrer versuchen einen abzuhocken (nicht nur die Touristen). Taxameter gibt es je nach Region, werden aber selten bis nie eingesetzt. \u201cNo meter, Sir\u201d oder \u201cNot working\u201d hei\u00dft es wenn man danach verlangt. Dann muss man sich einen Preis aushandeln.<\/p>\n<p>Die offiziellen Preise sind, wie es in jeder Rickshaw steht, 14 Rupees (20 Cent) f\u00fcr den ersten Kilometer und f\u00fcr jeden weiteren 7 Rupees (10 Cent). Anfangs haben wir aus Unwissenheit auch mal 100 Rupees f\u00fcr Fahrten von zwei oder drei Kilometer gezahlt. F\u00fcr europ\u00e4ische Verh\u00e4ltnisse immer noch wenig. Wenn man aber wei\u00df, dass man daf\u00fcr z.B. 20 Chai-Tee, 10 Samosa oder ein Thali (Mittagsmen\u00fc) samt Getr\u00e4nk bekommt, ist es viel. Vor allem aber, wenn es eigentlich 21 Rupees kosten sollte.<\/p>\n<blockquote><p>Ich nehm&#8217;s dem Fahrer nicht \u00fcbel, wenn er versucht mehr zu verlangen. Ich \u00e4rgere mich \u00fcber mich selbst, weil ich immer wieder mitspiele, weil ich mich dem Konflikt nicht stellen m\u00f6chte.<\/p><\/blockquote>\n<p>Murrend habe ich dabei immer mitgespielt, lieber nicht diskutieren, lieber nett sein. Bis es mir einmal gereicht hat. Wieder kein Taxameter und als wir nach maximal f\u00fcnf Kilometer am Ziel angekommen waren, verlangte der Fahrer erst 200 Rupees, dann 100. Angebracht w\u00e4ren 50 Rupees gewesen.<\/p>\n<p>Ich nehm&#8217;s dem Fahrer nicht \u00fcbel, wenn er versucht mehr zu verlangen. In Indien sind wir offensichtlich Fremde und damit vermeintlich leichte Opfer. Ich \u00e4rgere mich \u00fcber mich selbst, weil ich immer wieder mitspiele, weil ich mich dem Konflikt nicht stellen m\u00f6chte. Die anf\u00e4nglichen 200 waren aber zu dreist und so war es mir nicht zu bl\u00f6d zehn Minuten \u00fcber 50 Rupees zu diskutieren. Ja, das sind 70 Cent und man k\u00f6nnte es als kleinlich betrachten. Doch es ging darum mich endlich zu wehren, endlich nicht immer nett und still zu sein. Schlie\u00dflich musste der Fahrer f\u00fcr 60 Rupees seinen Stolz aufgeben, was meinen nur umso verst\u00e4rkte. Seitdem ging es mit dem Handeln immer besser, macht fast Spa\u00df. Und es ist auch sch\u00f6n mal richtig unfreundlich zu sein, wenn es gerechtfertigt ist.<\/p>\n<p>Phir millengee \u2013 auf Wiedersehen! Indien wird mir fehlen (vor allem das Essen). Es war einerseits unglaublich spannend und exotisch hier, andererseits habe ich mich nie befremdet oder verloren gef\u00fchlt. Nach ein paar Tagen Bangkok geht es nun nach Neuseeland und ich bin schon sehr auf diesen Kontrast gespannt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Zeit in Indien geht nach \u00fcber einem Monat nun zu Ende und ich durfte hier einiges erfahren und lernen. Unter anderem wie man mit den H\u00e4nden isst oder sich in Mindestzeit kalt duscht. Aber auch mehr mit der Zeit zu gehen und Warten auszuhalten. 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