{"id":3100,"date":"2013-02-01T05:44:15","date_gmt":"2013-02-01T04:44:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zeichenschatz.net\/?p=3100"},"modified":"2013-02-01T05:44:15","modified_gmt":"2013-02-01T04:44:15","slug":"geschuttelt-nicht-geruhrt-busfahren-in-indien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/zeichenschatz.net\/en\/reisebericht\/geschuttelt-nicht-geruhrt-busfahren-in-indien\/","title":{"rendered":"Gesch\u00fcttelt, nicht ger\u00fchrt: Busfahren in Indien"},"content":{"rendered":"<p class=\"leadin\">Busfahren in Indien ist ein kleines Abenteuer f\u00fcr sich. Sei es in einem Stadt- oder Regionalbus \u2013 f\u00fcr uns als Europ\u00e4er kam es eher einer g\u00fcnstigen Achterbahnfahrt gleich: holprig, rasant, manchmal eng und hei\u00df. Auf jeden Fall, spannend, skurril und nichts f\u00fcr schwache M\u00e4gen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/zeichenschatz.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20130201-102334-1.jpg\" alt=\"Indischer Regionalbus\" title=\"Busbahnhof in Munnar, Indien\" width=\"720\" height=\"425\" class=\"alignnone size-full wp-image-3105\" srcset=\"https:\/\/zeichenschatz.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20130201-102334-1.jpg 720w, https:\/\/zeichenschatz.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20130201-102334-1-300x177.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/p>\n<h2>Die feinen Unterschiede<\/h2>\n<p>Personaleinsparungen gibt&#8217;s hier nicht: ein indischer Bus ist in der Regel mit zwei Leuten besetzt: dem Chauffeur und dem Fahrkartenverk\u00e4ufer. Die vorderen Sitzreihen sind meistens f\u00fcr Frauen vorgesehen, die mittleren sind allgemein, die hinteren f\u00fcr M\u00e4nner. Wenns voll ist, wird darauf nicht mehr geschaut.<\/p>\n<blockquote><p>Oft springt jemand aus dem gerade noch fahrenden Bus oder schnell noch in den bereits losfahrenden \u2013 was \u00fcbrigens richtig Spa\u00df macht!<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Aufenthalte bei den einzelnen Stopps (wenn es nun kein Busbahnhof ist) sind minimal kurz (gef\u00fchlte ein bis f\u00fcnf Sekunden). Oft springt jemand aus dem gerade noch fahrenden Bus oder schnell noch in den bereits losfahrenden \u2013 was \u00fcbrigens richtig Spa\u00df macht! Der Bus wartet nicht, also geschwind noch rein. Der Fahrkartenverk\u00e4ufer kommt zu den Zugestiegenen und verkauft das Ticket.<\/p>\n<p>Die Stopps werden in der Regel nicht angesagt. M\u00f6chte man aussteigen zieht man an einer Schnur, die die Decke entlang durch den Bus gespannt ist und l\u00e4sst damit die Halteglocke am vorderen Ende des Busses erklingen.<\/p>\n<h2>Pimp my bus<\/h2>\n<p>Indien ist in vielen Dingen herrlich skurril, so nat\u00fcrlich auch bei den Bussen. Auch wenn diese staatlich sind, sind sie oft mit beachtlichen Extras ausgestattet. Einen kleinen Altar mit Bildern von Gottheiten hat fast jeder. Die besser ausgestatteten haben sogar LED-Leuchtketten um Ganesha &#038; Co. angebracht, die in allen Farben abwechselnd blinken. Mitunter kann man auch in einen Bus geraten, dessen Innenausstattung mit vergoldeten S\u00e4ulen und barockem Plastistuck samt Rosetten rund um die Beleuchtung versch\u00f6nert ist (das alles nat\u00fcrlich mit einer gewissen indischen Toleranz in der Montage).<\/p>\n<p>In Langstrecken-Privatbussen ist der Bollywood-Film in maximaler Lautst\u00e4rke Pflicht. Doch auch in ein paar st\u00e4dtischen Linienbussen dr\u00f6hnen schon um sechs Uhr morgens im Surround indische Schlager. So wurde die f\u00fcnfst\u00fcndige Dauerbeschallung auf der Fahrt von Munnar nach Madurai irgendwann zum Psychoterror \u2013 wohlgemerkt aber nur f\u00fcr uns, die Inder l\u00e4sst das wahrscheinlich aus aus aus Gewohnheitsgr\u00fcnden kalt.<\/p>\n<h2>Achterbahn ohne Loopings<\/h2>\n<p>Es gibt gef\u00fchlt nur zwei Geschwindigkeiten: Vollgas und Vollbremsung. Der Chauffeur donnert, unter st\u00e4ndigem Hupen, eher einem Panzerfahrer gleich, mit dem schwerf\u00e4lligen Gef\u00e4hrt durch den lebhaften indischen Verkehr. Die Stra\u00dfenverh\u00e4ltnisse geben den Rest dazu und so kam es ein paar Mal vor, dass wir buchst\u00e4blich den Sitzkontakt verloren. Ausreichende Kondition f\u00fcr permanentes, krampfhaftes Festhalten gilt als eine Voraussetzung, die ein Fahrgast mitbringen sollte.<\/p>\n<p>Das alles ist im kurzen Stadtverkehr ziemlich lustig.  M\u00fchsam wird es aber auf l\u00e4ngeren Strecken, wie wir letztens auf der f\u00fcnfst\u00fcndigen Busfahrt von Ernakulam nach Munnar erleben durften. Gegen Ende spielte mein Magen fast nich mehr mit (was sicherlich neben dem irren Fahrer auch an der steilen, kurvigen Strecke lag). Danach war uns klar, warum so viele Inder die Railway bevorzugen: \u201cIt&#8217;s much more comfortable and much safer.\u201c h\u00f6rten wir nicht nur einmal.<\/p>\n<h2>Es ist immer noch Platz<\/h2>\n<p>Egal wie menschenbeladen der Bus schon ist, es ist immer noch Platz. Eine Sitzbank f\u00fcr drei geht auch f\u00fcr vier. Kinder werden einfach weitergereicht, irgendein freier Scho\u00df findet sich schon. Und auch wenn die im Mittelgang stehenden Passagiere bereits engstens an einander gereiht sind, der Fahrkartenverk\u00e4ufer findet seinen Weg in aller Ruhe vom einen Ende zum anderen und verkauft seine Tickets.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/zeichenschatz.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20130201-101322-1.jpg\" alt=\"\" title=\"Busfahren in Indien kann auch manchmal eng sein\" width=\"720\" height=\"425\" class=\"alignnone size-full wp-image-3098\" srcset=\"https:\/\/zeichenschatz.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20130201-101322-1.jpg 720w, https:\/\/zeichenschatz.net\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20130201-101322-1-300x177.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/p>\n<p>Als eher k\u00f6rperkontaktscheue Europ\u00e4er ging uns das \u00fcberraschend wenig auf die Nerven. Was uns an N\u00e4he, Ansto\u00dfen und Dr\u00e4ngen unangenehm ist, ist hier komplett selbstverst\u00e4ndlich. Dadurch hat es f\u00fcr mich etwas wunderbar Unkompliziertes, Menschliches, Solidarisches. Fast schon etwas Tiefgr\u00fcndiges: Grenzen sind da, um sie auszureizen. Es findet sich immer ein Weg. Ich glaube ich werde die Wiener U-Bahn zur Rushhour nie wieder als voll empfinden k\u00f6nnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Busfahren in Indien ist ein kleines Abenteuer f\u00fcr sich. Sei es in einem Stadt- oder Regionalbus \u2013 f\u00fcr uns als Europ\u00e4er kam es eher einer g\u00fcnstigen Achterbahnfahrt gleich: holprig, rasant, manchmal eng und hei\u00df. Auf jeden Fall, spannend, skurril und nichts f\u00fcr schwache M\u00e4gen. 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